"Selektiver Mutismus" beschreibt ein Sprachverhalten, wenn Menschen nicht in bestimmten sozialen Situationen (Kindergarten, Schule, Ausbildung) sprechen, sondern ausschließlich mit bestimmten Personen des engeren sozialen Umfeldes.

 

Es gibt nicht nur eine Ursache für das Schweigen. Meist liegt ihm ein ganzes Bedingungsgefüge zugrunde. Symptome:

 

        Das Kind/der Jugendliche spricht in bestimmten Situationen nicht. Zu Hause oder mit vertrauten Personen hingegen ist dies möglich.

        Im Familienkreis redet es/er teilweise sehr viel, laut und schnell.

        Das Kind/der Jugendliche hat Schwierigkeiten, wenn es/er Interaktionen beginnen/initiieren soll: Begrüßung, Abschied, Fragen.

        In der Schule gleicht es/er sein Nichtsprechen oft mit guten schriftlichen Leistungen aus.

        Das Kind/der Jugendliche beobachtet seine Umwelt sehr sorgfältig, dies besonders im Hinblick auf Stimmungen und Emotionen.

        Es/er zeigt aber Schwierigkeiten darin, selbst Gefühle auszudrücken.

 

Das Verhalten von selektiv mutistischen Kindern und Jugendlichen wird oft als extrem schüchtern fehlgedeutet, und nicht selten werden Eltern erstmalig von der KiTa oder der Schule über das beharrliche Schweigen informiert. Dann sind zeitnahe Diagnose sowie baldige therapeutische Schritte von großer Wichtigkeit. Erfahrungen haben gezeigt, dass sich bei Nicht-Behandlung das Schweigen manifestiert, dass es sich über Jahre hält und bis ins Erwachsenenalter die soziale Partizipation erschweren kann.

 

Wenn das Schweigen Ihres Kindes/Jugendlichen schon länger als 4 Wochen anhält, veranlassen Sie bitte eine ärztliche Untersuchung und anschließende Sprachtherapeutische Behandlung. Gerne berate ich Sie bzgl. der notwendigen Schritte.

 

In der Sprachtherapeutischen Behandlung werden kleine Lerneinheiten sorgsam geplant und durchgeführt. Ausgehend vom behutsamen Austauschin der 2-er-Situation entstehen zwischen Kind/Jugendlichem und der Therapeutin vertrauensvolle Momente, die handelnd auf den folgenden Kommunikations-Ebenen erprobt werden. Bis es allerdings zu kleinen Transfer- und Sprechaufgaben kommt, müssen die psychischen Voraussetzungen für eine Öffnung des Kommunikationsraums geschaffen sein. Die allmähliche Übertragung der erworbenen Sprechstrategien in den Alltag gelingt aber nur dann, wenn sich Eltern, Freundeskreis und andere Personen der sozialen Lebensbereiche von den Beratungshilfen angesprochen fühlen und selbst kommunikative Sicherheit erreicht haben. Aufgrund dieses engmaschigen Settings muss von einer längerfristigen Sprachtherapie ausgegangen werden.